Hej,
diese Zeit ist für mich voller feiner, schöner Nuancen, voller sachter Momente, in denen ich nur schweigen und genießen möchte. Heute habe ich mir ein bisschen Zeit genommen, ein paar dieser Momente optisch festzuhalten. Teeduft, beißend kalter Wind und Musik kann man so zwar nicht festhalten, aber wir Menschen sind ja stark optisch geprägte Lebewesen und da können auch solche Bilder viel übertragen, was meine Worte nicht können.
Nachdem ich keine Christin bin und den Hirtenjungen aus dem Nahen Osten nicht als Sohn Gottes verehre, ist Weihnachten für mich eigentlich kein Thema. Zumindest nicht in diesem Kontext.
Für mich ist jetzt wichtig, in mich hinein zu hören und zu lauschen, meine eigene innere Stimme wieder etwas lauter zu stellen, mich wieder zu erinnern, was Stille ist, in der man eben diese Stimme hören kann. Für mich ist es die Zeit, alleine zu sein … das alleine sein auszukosten. Es ist schmerzhaft im Moment, weil ich mich so sehr nach Nähe sehne … aber wenn es draußen zusehends kälter und stiller wird und sich alles zurückzieht, sehne ich mich danach, es der Natur gleich zu tun und mich auch zurückzuziehen. Dieses schmerzhafte Gefühl muss ein bisschen sein … danach kann ich die Nähe wieder in ihrer vollen Schönheit auskosten. Jetzt muss ich erst mal wieder spüren, wie es sich anfühlt, in mir selbst geborgen zu sein.
Ich denke, es ist wichtig, zuerst die Dunkelheit hineinzulassen, sie einzuladen, zumindest für eine kurze Zeit, sie auszukosten, wieder zu erfahren, wie sie ist, wie sie wirkt, warum man sie braucht … warum sie dazugehört – bevor man das Licht der wiederkehrenden Sonne wieder aufnehmen kann. Man kann nicht geboren werden, ohne vorher zu sterben. Man kann nicht sterben, ohne vorher geboren worden zu sein. Licht kann man nur sehen, wenn es dunkel ist … sonst verliert es seine Kontur, sein Strahlen …
Und wenn ich es geschafft habe, die Dunkelheit in mir wieder zu erkennen, dann kann ich die Wiederkehr der Sonne feiern, Yul, die Wintersonnwende … wie man es auch nennen möchte. Und dann kommt für mich auch der dankbare Aspekt, der schenkende, das liebevolle Beisammensein von den Menschen, die ich mir wirklich nahe sind, die mir wirklich verbunden sind. Dann möchte ich mit den Fähigkeiten oder Talenten, die ich habe, diesen Leuten etwas gutes tun und ihnen zeigen, dass sie mir wichtig sind. Dieser Part zeigt sich bei mir in selbstgemachten Dingen und kleinen Ideen, die diejenigen, die ich damit beschenken möchte ein bisschen lächeln lassen.
So ist das … es wird stiller und stiller … und gleichzeitig wird die Stimme in mir lauter. Ich spüre, wie mich der Wind und die abendroten Wolken nach draußen ziehen, wie ich die Kälte auf der Haut spüren möchte, um wieder zu merken, wie warm ich bin.
Ich liebe diese Zeit … ich finde sie magisch.
Hej då,
Acalanthis

