Hej,
schon wieder ist ein Wochenende vorbei und schon wieder hat eine lange, anstrengende Woche angefangen. So langsam wächst mir der Stoff über den Kopf und ich muss anfangen viel nachzuarbeiten, was ich in der Vorlesung nicht gecheckt und richtig verbucht habe. Gerade Mikrobiologie ist mir gerade echt fremd, während der Prof fröhlich weiterplaudert, dass das alles nur eine Wiederholung sei und wir das alles schon wissen müssten. Naja … also ich wusste das nicht und das ist auch keine Wiederholung für mich … nein, das ist ganz neu und dementsprechend habe ich heute nur Bahnhof verstanden.
Das wird wieder ein Spaß, dass alles aufzuholen. Aber es ist wichtig. Es ist essentiell wichtig für alles Leben, was ich da gerade zu lernen habe und daher sollte mich auch bald die Motivation einholen.
Wenn ich so durch die Stadt laufe/fahre, merke ich, wie sehr schon wieder alle Leute im Weihnachtsrausch sind. Der Weihnachtsmarkt füllt die Fußgängerzone “meiner” Unistadt mit zu vielen Leuten, Lichterketten und Plastiktannenwedel schmücken alle Geschäfte, es funkelt, es strahlt gülden und heimelig. Schon seltsam, wie scheinbar alle schon total in Weihnachts- und Winterstimmung sind, während es bei mir noch tiefster Herbst ist.
Es ist für mich extrem herbstig, die Novembernebel, das fallende Laub auf letzte zaghaft grüne Grashalme, die kahlen Zweige, die in den grauen Himmel zeigen, Krähenschwärme auf umgeackerten Feldern, gefrorener Nebel und Tau an den letzten grün-gelben Nadeln der Lärchen. Letzte Blüten an manchen Kräutern. Ein Reh, dass ich im Wald gesehen habe, den Atem in feuchtwarmen Wölkchen vor dem Maul.
Es ist so Herbst. Noch hat die dunkelste Jahreszeit nicht angefangen für mich, noch gibt es ein bisschen leben da draußen, dass so langsam ermüdet und sich schläfrig eine Stätte für den Winterschlaf sucht. Als ich am Wochenende die Sträucher im Garten geschnitten habe, war in ihnen noch der Saft des Sommers. Es dauert noch ein Weilchen, bis sich die Säfte ganz zurückgezogen haben und alles ruht. Alles leise ist. Alles schläft und auf den Tag wartet, an dem die Frühlingssonne sie wieder wachkitzelt.
Auch bei mir ist es noch nicht Zeit, mich einzupuppen und die Dunkelheit um mich hereinbrechen zu lassen. Es ist noch Zeit, ein paar letzte Früchte zu ernten und zu sehen, was ich mir erarbeitet habe und was ich noch einlagern muss, damit ich im Winter davon zehren kann.
Heute habe ich den gesponnenen Faden verzwirnt, sodass aus zwei leicht reißenden Fäden ein stabiler wird. Das Ergebnis ist wie die Einzelstränge leicht unregelmäßig und unordentlich, aber ich finde als Erstwerk kann es sich ganz gut sehen lassen. Jetzt muss ich das Garn nur nochmal um die Stuhllehne wickeln und anfeuchten und dann sollte es fertig sein!
Werkelnd und erschöpft,
Hej då,
Acalanthis